Auf diesen Seiten soll die Münchner Ludwigstraße vorgestellt werden. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf einer ausführlichen Fotodokumentation, es werden aber auch viele bau- und kulturgeschichtliche Informationen vermittelt, so dass ein möglichst umfassendes Bild der Ludwigstraße entstehen möge.
Die Ludwigstraße ist eine der vier Münchner Prachtstraßen des 19. Jhs (die anderen sind Briennerstraße, Maximilianstraße und Prinzregentenstraße) und entstand zwischen 1816 (Beginn der Planungen) und 1850 (Fertigstellung des Siegestors am Nordende der Straße) auf Anordnung von König Ludwig I., der der Straße auch den Namen gab. Die architektonische Gestaltung legte Ludwig I. zunächst in die Hände seines Hofarchitekten Leo von Klenze, bevor er 1827 die Bauleitung an Friedrich von Gärtner übertrug, mit dem sich gleichzeitig auch eine stilistische Änderung vollzog: weg vom reinen Klassizismus Klenzes, wie er idealtypisch z.B. am Palais Leuchtenberg zu sehen ist, hin zum Romantizismus Gärtners, wie er sich z.B. an der Ludwigskirche oder an der Universität zeigt - dem sogenannten "Rundbogenstil", einer Mischung aus italienischer Romanik, Renaissance, byzantinischen Elementen und auch schon eines beginnenden reduzierten Funktionalismus'. Gleichwohl erscheint das Gesamtergebnis der Ludwigstraße immer noch als sehr homogen und so präsentiert sie sich insgesamt als einheitliche städtebauliche Schöpfung, was vor allem auf den starken gestalterischen Willen und Einfluss des Bauherrn Ludwig I. zurückzuführen ist, der der Straße über die gesamte Entstehungszeit hinweg seinen Stempel aufdrückte.
Die Münchner Ludwigstraße ist eine der wenigen großen Prachtstraßen Deutschlands, zudem ist sie eine architektonische Schöpfung von europäischem Rang. Ihre städtebauliche und atmosphärische Typologie ist im Vergleich zu den später entstandenen historistischen europäischen Prachtstraßen wie der Wiener Ringstraße oder auch den Pariser Boulevards außerdem ziemlich einzigartig, wir werden später noch darauf zu sprechen kommen.
Die Ludwigstraße kann nicht betrachtet werden ohne den südlich davon gelegenen Odeonsplatz, mit dem zusammen sie erst eine abgeschlossene städtebauliche Einheit bildet; defacto "entwächst" die Ludwigstraße dem Odeonsplatz, beide Räume gehen nahtlos ineinander über. Zwischen Feldherrnhalle im Süden und Siegestor im Norden hat die Straße eine Länge von 1,25 km und eine Breite von 37 m. Sie ist nicht nur eine gerade Straße, sondern besitzt außerdem zwei große Platzausbuchtungen: den Odeonsplatz im Süden und das Universitätsforum im Norden. Zusammenfassende Eckbeziehungen bestehen zudem zwischen der Feldherrnhalle im Süden und dem Siegestor im Norden sowie den Doppelturmfassaden der barocken Theatinerkirche (die im Zuge der Gesamtplanung aus ihrer altstädtischen Enge befreit und in die Konzeption einbezogen wurde) auf der südlichen Westseite und der Ludwigskirche auf der nördlichen Ostseite.
Die gewaltige Längsentwicklung wird durchschnitten durch drei Querbezüge: zwei historische und eine spätere aus der Zeit des Nationalsozialismus bzw. der Nachkriegszeit. Die beiden historischen sind die Achse Brienner Straße - Hofgartentor - Hofgartenstraße ganz im Süden sowie die Achse Ludwig-Ferdinand-Palais am Wittelsbacher Platz - Durchgang zwischen Odeon und Palais Leuchtenberg - Odeonsplatz - Bazargebäude etwas weiter nördlich; in der Nazi- und der Nachkriegszeit wurde schließlich der große Straßendurchbruch Oskar-von-Miller-Ring - Von-der-Tann-Straße geschaffen (heute ein Teil des Altstadtrings), dem einige wertvolle Gebäude weichen mussten und der heute die größte Wunde der Ludwigstraße darstellt.
Dies führt uns zum nächsten Punkt: auch wenn die Ludwigstraße auf den ersten Blick sehr gut und authentisch erhalten erscheinen mag, so hat sie im Laufe der Zeit doch einige empfindliche Verluste hinnehmen müssen; ein wichtiger Teil unserer Betrachtung wird also auch das Aufzeigen dieser Veränderungen sein.
Um uns einen Überblick über die Dimension und Atmosphäre der Straße zu verschaffen, betrachten wir zunächst zwei Fotos aus erhöhter Position.
Richtung Süden:

(Quelle: obs/München Tourismus/Thomas Klinger)
Richtung Norden:

(Wikipedia Commons, Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 4.0, Urheber: Kajebi II.)
Die erhabene und würdevolle Atmosphäre der Ludwigstraße wird sehr eindrucksvoll veranschaulicht in einer Szene in Dieter Wielands Dokumentarfilm über die Wittelsbacher (externer Link auf Youtube): ➝ Link
Beginnen wir nun mit der genauen Betrachtung und sehen uns auf der nächsten Seite den Odeonsplatz am Südende der Ludwigstraße an. ➔